20.10.2014Studie untersucht Gewaltpotenzial in Asylunterkünften | Nr. 086/2014

Potsdam – Erstmals in Brandenburg wird sich ein Projekt der Bewältigung von Konfliktsituationen in Asylbewerberheimen widmen. Während des auf drei Jahre angelegten Vorhabens sollen sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter der Heime an Anti-Gewalt- und Deeskalationstrainings teilnehmen, wie das Innenministerium heute in Potsdam mitteilte.

Bevor das Projekt startet, soll zunächst die aktuelle Situation in den derzeit mehr als 40 Gemeinschaftsunterkünften in Brandenburg analysiert werden. Dabei sollen erstmals landesweit Daten zur Häufigkeit von gewalttätigen Auseinandersetzungen und deren Ursachen erhoben werden. Die Gesellschaft für Inklusion und Soziale Arbeit e.V. in Potsdam plant dazu Interviews mit Bewohnern und Mitarbeitern. Zudem sollen Fragenbögen verschickt werden.

Der Verein wird bei den Vorarbeiten für das Projekt „Leben und Arbeiten ohne Gewalt“ vom Landespräventionsrat unterstützt. So erhält der Verein für die Situationsanalyse knapp 4.900 Euro aus Mitteln des Landespräventionsrates.

Auch für das eigentliche Projekt des dreijährigen Anti-Gewalt-Trainings hat der Landespräventionsrat Fördermittel in Aussicht gestellt. Im Rahmen des Projektes sollen auch Trainer für die Anti-Gewalt- und Deeskalationsseminare gewonnen und ausgebildet werden.

Innenminister Ralf Holzschuher, Vorsitzender des Landespräventionsrates, begrüßte das Vorhaben. „Die Zahl der Menschen, die bei uns Schutz vor Not, Krieg und Verfolgung suchen, steigt erheblich. Die Gemeinschaftsunterkünfte sind voll ausgelastet. Daher müssen Menschen unterschiedlichster Herkunft auf engem Raum zusammenleben. Das führt zu einer Häufung von Konflikten unter den Bewohnern sowie zwischen Bewohnern und Mitarbeitern der Heime. Diese Konflikte gewaltfrei zu lösen, muss das oberste Ziel sein. Deshalb unterstützen wir dieses neuartige Anti-Gewalt-Projekt sehr gerne.“

Projektleiter Wolfgang Bautz von der Gesellschaft für Inklusion und Soziale Arbeit e.V. betonte: „Das geplante Vorhaben wird einen Beitrag leisten, um ein gewaltfreies Leben in den Flüchtlingsunterkünften zu ermöglichen. Sozialarbeiter müssen in der Lage sein, Konfliktsituationen zu vermeiden oder frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren. Diese Kompetenzen aufzubauen und zu stärken ist das Anliegen unseres Projektes.“

Der Verein unterhält seit Jahren den Fachberatungsdienst Zuwanderung, Integration und Toleranz (FaZIT), E-Mail: info@fazit-brb.de. FaZIT unterstützt mit Beratungsleistungen und Fortbildungen die Bemühungen unterschiedlicher Partner für eine wirksame Integration von Zugewanderten in den Kommunen.

Der Landespräventionsrat Brandenburg wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Schwerpunkte der Arbeit sind die Themen Extremismus, Jugendkriminalität und Opferschutz. Der Landespräventionsrat hat bislang rund 360 Projekte mit mehr als 2,7 Millionen Euro unterstützt. Besonders vorbildliche Projekte werden seit dem Jahr 2005 mit dem jährlich vergebenen Landespräventionspreis ausgezeichnet.

Download der Pressemitteilung als PDF-Datei:
Studie untersucht Gewaltpotenzial in Asylunterkünften

Verantwortlich: Ingo Decker

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