09.01.2016Zahl der Flüchtlinge erreichte 2015 neuen Höchststand | Nr. 006/2016

Potsdam – Neuer Jahresrekord bei der Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden in Brandenburg: Im Jahr 2015 sind rund 47.000 Menschen zumindest vorübergehend nach Brandenburg gekommen. 28.128 Asylsuchende hat das Land tatsächlich aufgenommen, 6.305 wurden auf andere Bundesländer verteilt. Das sagte Innenstaatssekretär Matthias Kahl heute in Potsdam.

Der Staatssekretär unterstrich: „Die Zahl der Asylsuchenden hat alle Prognosen weit übertroffen. Es war eine Riesenherausforderung, all die Menschen zu versorgen und unterzubringen. Dass dies gelungen ist, haben wir dem Engagement von Hunderten haupt- und ehrenamtlichen Helfern und vor allem auch den Kommunen zu verdanken. Sowohl das Land als auch die Kommunen sind bei der Aufnahme der Flüchtlinge teilweise über die Belastungsgrenzen hinausgegangen. Trotzdem haben wir es gemeinsam geschafft, chaotische Zustände zu verhindern.“

Brandenburg nimmt nach dem „Königsteiner Schlüssel“ knapp 3,1 Prozent aller nach Deutschland kommenden Flüchtlinge auf. Nach der ersten Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für das vergangene Jahr sollten etwa 9.200 Menschen nach Brandenburg kommen. Die Prognose wurde im Laufe des Jahres mehrfach angepasst und immer wieder übertroffen.

Mit 28.128 Menschen hat Brandenburg im Jahr 2015 mehr als viermal so viele Flüchtlinge aufgenommen wie im Jahr 2014 mit 6.315. Im Jahr 2013 waren 3.305 Asylsuchende aufgenommen worden und im Jahr 2012 insgesamt 1.794. Der Tiefststand bei der Zugangszahl des Landes lag im Jahr 2007 bei 565.

Die mit Abstand meisten Asylsuchenden kamen im Jahr 2015 aus Syrien (13.688). Die Zahl der Zugänge aus dem Bürgerkriegsland erhöhte sich im Jahresverlauf erheblich: Im Januar nahm Brandenburg 137 Syrer auf, im November waren es 3.341. Zweitstärkstes Herkunftsland war Afghanistan (4.572). Die drittstärkste Gruppe waren Albaner (2.216). Dabei sank die Zahl der Zugänge aus dem als sicher eingestuften Balkanland im Laufe des Jahres deutlich: von 636 im Juli auf nur neun im November. Zu den stärksten Herkunftsländern gehörten weiterhin die Russische Föderation (1.761), Pakistan (1.404), Iran (1.081) sowie Serbien (999).

Entsprechend der stark steigenden Zahl der Neuzugänge musste Brandenburg im Jahr 2015 seine Kapazität in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende noch einmal erheblich ausbauen. War die Zahl der Plätze zwischen 2012 und 2014 bereits von 500 auf knapp 2.000 erhöht worden, kamen im vergangenen Jahr noch einmal mehr als 3.000 Plätze hinzu. Aktuell verfügt die Erstaufnahmeeinrichtung über 5.500 belegbare Plätze. In Kürze kommen weitere 955 Plätze in der neuen Außenstelle in Wünsdorf hinzu. Im Laufe des Jahres soll die Gesamtkapazität der Erstaufnahme sogar auf 10.000 Plätze ausgebaut werden, denn das Land rechnet damit, dass der Flüchtlingszustrom vorerst nicht abreißen wird.

„Wir gehen davon aus, dass 2016 noch einmal bis zu 40.000 Menschen nach Brandenburg kommen“, sagte Kahl. Vor diesem Hintergrund seien weiterhin große Anstrengungen nötig, um allen Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Zugleich müssten das Land und die kommunalen Ausländerbehörden alle Mittel nutzen, um ausreisepflichtige Ausländer zur Rückreise in ihre Heimatländer zu bewegen. Im Vordergrund stehe weiter die Beratung zur freiwilligen Ausreise. „Aber wir werden auch konsequent abschieben“, kündigte der Staatssekretär an. Er verwies auf eine Sammelrückführung im Dezember 2015, bei der 83 ausreisepflichtige Menschen aus Brandenburg in Balkanstaaten zurückgeflogen wurden. Insgesamt sind im vergangenen Jahr deutlich mehr als 500 Personen aus Brandenburg abgeschoben worden, im Jahr 2014 waren lediglich 112 Zwangsrückführungen registriert worden.

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Zahl der Flüchtlinge erreichte 2015 neuen Höchststand

Verantwortlich: Ingo Decker

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