29.11.2017Geodateninfrastruktur: Deutschland muss europäischen Vergleich nicht scheuen | Nr. 122/2017

Potsdam - Deutschland kommt beim Aufbau seiner Geodateninfrastruktur gut voran. Das ist ein Ergebnis der Tagung des Lenkungsgremiums Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE). Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen trafen sich gestern und heute in Potsdam. Brandenburg führt in diesem und im nächsten Jahr den Vorsitz im Lenkungsgremium. Die Teilnehmer sprachen unter anderem über den Umsetzungsstand der europäischen Richtlinie INSPIRE in Deutschland. Die Richtlinie gibt den rechtlichen Rahmen für den Aufbau einer europäischen Geodateninfrastruktur vor, auf deren Basis insbesondere Informationen mit Blick auf die immer bedeutsameren umweltpolitischen Fragestellungen zu besseren und schnelleren Aussagen führen sollen.

Die Auswertung habe gezeigt, dass Deutschland insbesondere im Bereich der Beschreibung von Geodaten und Geodiensten mit einheitlichen Metadaten einen Umsetzungsstand von 96 bis 99 Prozent erreicht, sagte der Vorsitzende des Lenkungsgremiums Lothar Sattler. Aus den Metadaten können die Nutzer unter anderem ablesen, wann, von wem und zu welchem Zweck die Daten beziehungsweise die Dienste erfasst wurden. Gleichzeitig werden auch die Defizite ersichtlich, die insbesondere im Bereich der Interoperabilität von Geodaten vorhanden sind.

Unter dem Begriff der Interoperabilität werden die Kombinierbarkeit von Geodaten und die Kommunikation verschiedener Systeme unter Einhaltung gemeinsamer Standards verstanden. Bürger, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft können dann beispielsweise die bei verschiedenen Behörden erfassten Umwelt- und Gesundheitsdaten in Geoinformationssystemen und Internet-Kartenanwendungen problemlos miteinander verknüpfen.

Außerdem hat das Lenkungsgremium ein Interoperabilitätskonzept beschlossen, fügte Sattler hinzu: „Damit hat das Gremium einen wichtigen Schritt vollzogen, damit Deutschland bei der Umsetzung von INSPIRE weiterhin einen der vorderen Plätze belegt.“ Mit dem Konzept werden Elemente identifiziert und beschrieben, die für eine einheitliche Definition und interoperable Bereitstellung von Geodatenbeständen Deutschland und europaweit erforderlich sind. „Unser Hauptaugenmerk muss nun vor allem auch darauf gerichtet sein, die Mehrwerte durch gute Anwendungen beispielsweise im Rahmen der Infrastrukturplanung oder zur Unterstützung von Polizei- und Feuerwehreinsätzen sichtbar zu machen“, sagte Sattler weiter.  

Hintergrund

Die Geodateninfrastruktur ist das Netzwerk zum Austausch von Geodaten – also Daten mit Raumbezug. Das soll vor allem durch gemeinsame Technologien auf der Basis von Standards und gemeinsamen Regeln bei der Bereitstellung von Geodaten erreicht werden. Die GDI-DE ist Teil der europäischen Geodateninfrastruktur, die über die EU-Richtlinie INSPIRE umgesetzt wird. Mit INSPIRE (Infrastructure for Spatial Information in the European Community) soll eine europäische Geodateninfrastruktur aufgebaut werden. Laut der Richtlinie sind alle EU-Staaten seit dem 15. Mai 2007 verpflichtet, Geodaten in vielfältigen Themenbereichen - von Adressen und  Verwaltungseinheiten bis zu Gesundheits- und Umweltdaten - stufenweise einheitlich über Online-Dienste bereit zu stellen. Die technische Umsetzung der Richtlinie ist auf einen langjährigen Prozess ausgelegt, der 2021 abgeschlossen sein soll.

Download der Pressemitteilung als PDF-Datei:
Geodateninfrastruktur: Deutschland muss europäischen Vergleich nicht scheuen

Verantwortlich: Ingo Decker

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