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Pressedienst

Verschiedenes

12.11.2005 Grußwort des brandenburgischen Innenministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten Jörg Schönbohm anlässlich der Veranstaltung ?Tag des Gedenkens und der Versöhnung?

 
Nr. 203/2005

Grußwort des brandenburgischen Innenministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten Jörg Schönbohm anlässlich der Veranstaltung ?Tag des Gedenkens und der Versöhnung? Halbe, 12.11.2005

(Es gilt das gesprochene Wort.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

vieles ist heute bereits über Sinn und Zweck dieser Veranstaltung gesagt worden. Lassen Sie mich Ihnen nur in wenigen Worten erklären, warum ich heute gern gekommen bin, um diese Veranstaltung zu unterstützen.

Der ?Tag des Gedenkens und der Versöhnung? ist eine Veranstaltung, die mit Respekt an die Geschehnisse in Halbe vor gut 60 Jahren erinnert. Der ?Tag des Gedenkens und der Versöhnung? ist ein Fest, das auch leise und nachdenkliche Töne hat.

Am Tag vor dem Volkstrauertag sind wir vor allem hierher gekommen, um den Toten von damals Respekt zu erweisen und uns der schrecklichen Ereignisse noch einmal zu erinnern.

Rund 60.000 Menschen starben im April 1945 im Kessel von Halbe. Hier ist der größte deutsche Soldatenfriedhof. Und gerade deshalb ist Halbe für dieses Erinnern der angemessene Ort.

Die Lindenstraße hier in Halbe, dieser Ort, wo wir jetzt stehen, war in den letzten Kriegstagen übersät mit Sterbenden und Toten. Tausende von Menschen starben hier in einem Krieg, der längst entschieden war.

Die Erinnerung an diesen Krieg soll uns Mahnung sein, friedlich und freundschaftlich mit unseren Nachbarn zu leben. Und häufig gelingt es gerade an Kriegsgräbern, dass sich ehemalige Feinde die Hände zur Versöhnung reichen.

Denn Vergessen ist oft das Gegenteil von Vergeben. Nur durch das gemeinsame Erinnern können alte Wunden heilen, kann neue Freundschaft entstehen.

Darum sind wir alle, Sie und ich, heute hier.

Dieser Tag sollte deshalb kein Tag des Streites und der Beschimpfungen sein. Der Respekt vor den Toten und das Ausmaß des damaligen Schreckens verbieten das.

Dennoch sind wir auch hier, weil wir unsere Art des Erinnerns für die richtige halten: kein Heldenkult, keine Glorifizierung des Tötens und Sterbens, sondern respektvolle Erinnerung an die Menschen, die im Krieg hier und anderswo ihr Leben gaben.

Vor 250 Jahren lebte am brandenburgischen Hof der französische Philosoph Voltaire, dem der Satz zugeschrieben wird: ?Zwar teile ich Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen."

Dieses Zitat drückt besonders treffend aus, was wir durch die Aufklärung gelernt haben: die Toleranz gegenüber dem anderen, auch wenn wir seine Meinung für völlig falsch halten.

Aber Toleranz bedeutet nicht, alles hinzunehmen. So dürfen wir nicht hinnehmen, dass Rechtsextremisten Halbe besetzen und das Gedenken an die Tausenden von Soldaten missbrauchen, die hier den Tod fanden.

Wir müssen hinschauen und uns nicht wegducken, denn das hieße, vor den Extremisten zu kapitulieren. Nein, wir müssen uns inhaltlich und politisch mit den Extremisten auseinandersetzen. Wir müssen Demokratie und Toleranz verteidigen. Darum ist der heutige Tag des Gedenkens und der Versöhnung richtig und wichtig.

Wir respektieren, dass es Menschen gibt, die anderer Meinung sind als wir. Mit Sorge sehen wir jedoch, dass auch an den Gräbern des zweiten Weltkriegs Hass und Gewalt gepredigt werden und Zwietracht unter den Menschen gesät werden soll.

Deshalb nehmen auch wir unser Recht auf unsere Meinung und auf unsere Meinungsäußerung wahr. Denn unsere freiheitliche Demokratie und auch unser Gedenken an unsere Kriegstoten sind zu kostbar, um sie einer lautstarken Minderheit zu überlassen.

Ich danke Ihnen deshalb für Ihr Kommen sowie allen, die mitgeholfen haben, dass unser Gedenken heute gelingen kann.

Verantwortlich:
Dorothee Stacke, Pressesprecherin
Ministerium des Innern
Henning-von-Tresckow Str. 9-13
14467 Potsdam
Telefon (0331) 866 2060
Fax: (0331) 866 2666